Reiten oder Radfahren

Wenn Du Dich dafür entscheidest zu reiten, bedeutet dies für Dich:
DU musst Dich verändern. Verändern in Deiner Persönlichkeit und verändern in Deiner Körperlichkeit. Sobald Du in den Sattel steigst hörst Du auf, nur ein Mensch zu sein.

Grammatik des Reitens - Reiten oder Radfahren

Du bist jetzt auch ein Reiter!

Viele Haltungs- und Bewegungsmuster die Du als Mensch in Deinem Leben so mit Dir herumträgst, verlieren im Sattel ihre Gültigkeit – ODER sie werden zum Kommunikationsproblem.

Siehst Du das nicht so und bist der Meinung, nur das Pferd müsste sich verändern, dann würde ich Dir anstelle des Reitens den Umstieg aufs Rad empfehlen.

Machst Du dort allerdings dieselben Sitz- und Haltungsfehler, die Du – auch aufgrund Deiner Händigkeit – häufig auf dem Pferd praktizierst, würdest Du unweigerlich dafür bestraft werden – vom Rad!

Der Unterschied zwischen Pferd und Rad
Man meint das Pferd ändern zu müssen um sich selbst aus der Pflicht zu nehmen eigene Sitzfehler zu korrigieren. Das Rad aber verlangt, dass man sich ihm anpasst, will man nicht stürzen.

Darüber solltest Du nachdenken und wenn Du dann weiterhin bei Deiner Entscheidung bleibst zu reiten …

ARBEITE AN DIR!

Gleichgewicht Basis der Balance

Unter dem GLEICHGEWICHT im physikalischen Sinne versteht man die gleichmäßige Verteilung einer Masse im Stand auf die vorhandenen Stützflächen. Bei Lebewesen, in deren natürlicher Grunddisposition, wird dieses Ideal nicht erreicht. Es gilt aber: Je weniger Stützflächen vorhanden sind, desto näher kommt die Masseverteilung diesem Ideal.

In der Bewegung spricht man sinnvollerweise im günstigen Fall von einem kontrolliertem Ungleichgewicht, welches man auch treffend mit dem Begriff BALANCE umschreiben kann.

Die Grammatik des Reitens - Das Gleichgewicht die Basis der Balance

Das Gleichgewicht stellt bei Lebewesen so etwas wie die Referenzgröße für dessen sensomotorisches System dar. Dieses System ist, vor allem dann, wenn das Lebewesen sich bewegt, bestrebt das jeweilige Lebewesen, an dieser Gleichgewichtsvorgabe ausrichtend, in der Balance zu halten.

In seiner natürlichen Disposition ist das Pferd weit von dem oben beschriebenen Gleichgewichtsideal entfernt. Zwei maßgebliche Faktoren tragen hier wesentlich dazu bei.

Zum einen die starke Vorhandüberlastung, welche es dem Fluchttier Pferd ermöglicht, hohe Geschwindigkeiten bei vergleichsweise geringem Energieeinsatz zu erreichen.

Zum anderen die „natürliche Biegung“ (ich vermeide die Begrifflichkeit „natürliche Schiefe“, denn diese vertauscht Ursache und Wirkung) oder Händigkeit des Pferdes. Dessen Ursache dürfte, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, mit der Lage des Fötus im Mutterleib in Zusammenhang stehen, also einen eher logistischen Grund haben.

Ein Pferd als Pferd ist in einem naürlichem Gleichgewicht

Dennoch spricht man auch beim Pferd von einem Gleichgewicht, einschränkend als „natürliches Gleichgewicht“ bezeichnet.
Für die Nutzung des Pferdes als Reitpferd allerdings ist dieses natürliche Gleichgewicht problematisch.

Einerseits begünstigten die Faktoren dieses Gleichgewichts die instinktiven Kräfte des Pferdes – gegen den Reiter. Dieser muss weit mehr „Hilfen“ zu deren Korrektur einsetzen – was wiederum das Pferd belästigt.

Andererseits sorgt das Gewicht des Reiters und dessen Masse für eine ungünstige Belastung der Struktur des Pferdes (Knochen, Muskeln …), was dessen Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation in der Konstellation des natürlichen Gleichgewichts ungünstig beeinflusst.

Ein Pferd braucht man nicht in die Balance bringen, dass macht es von ganz allein. Man muss ihm nur das neue Gleichgewicht für ein Reitpferd vermitteln.

Trainingstechnisch gilt es nun ein „neues Gleichgewicht“ im Pferd zu etablieren. Dies geschieht dadurch, dass man bestehende Bewegungs- und Haltungsmuster durch häufiges Wiederholen von „neuen“ Bewegungsabläufen langsam verändert.

Gleichzeitig damit wird sich automatisch auch das sensomotorische System des Pferdes auf das veränderte Gleichgewicht einstellen und an dieser Referenz das Pferd neu ausbalancieren.

Zwei wesentliche Muster müssen dabei vorrangig „reprogrammiert“ werden:

  • Die „natürliche Biegung“: Das Pferd ist geradezurichten;
  • Die Vorhandüberlastung: Das Pferd ist verstärkt auf die Hinterhand umzulasten.

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved

by www.trust-your-Horse.com

Die Mystifizierung des Pferdes

Pferde sind wundervolle Wesen, deren Anblick das Herz von Menschen erwärmt.

Sehr gerne sehen wir in ihrem Verhalten etwas Spirituelles. Doch ist es nicht so, dass das was uns als Spiritualität erscheinen mag, nur unsere eigene Unfähigkeit ist, die Natur wahrhaftig, mit allen Sinnen wahrzunehmen – ohne Wertung, ohne Zukunft? Eine Fähigkeit, die auch uns Menschen innewohnt, doch überdeckt wird durch das lärmende Geschnatter unseres Bewusstseins.

Die Grammatik des Reitens - Die Mystifizierung des Pferdes

Nicht eines bildhaften Bewusstseins, sondern eines in Worte fassen wollenden Bewusstseins, ohne zu erkennen, dass Worte gar nicht in der Lage sind zu beschreiben, was wir sehen, riechen, schmecken, fühlen oder ertasten.

Der Fluch der Sprache, der uns oft daran hindert das Ganze zu erkennen, was immer weit mehr ist als die Summe seiner Teile.

Pferde aber nehmen dieses Bild des Ganzen wahr, und uns kommt es dann so vor, als wären zusätzliche, mystische Sinne am Werk.

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved

by www.trust-your-Horse.com

Wandlung der instinktiven Kräfte des Pferdes – Vorhandüberlastung

BEITRAG IM ENTWURFSSTADIUM

Das Pferd als Fluchttier benötigt eine hohe Reaktions- und Fluchtgeschwindigkeit. Dies wird gestützt und verstärkt durch die Vorhandlastigkeit des Pferdes. Durch diese kann das Pferd sehr energiesparend relativ hohe Geschwindigkeiten gehen. Dies geschieht u.a. dadurch, dass das Pferd quasi nach vorne stetig aus der Balance kommt (Hals- und Kopfaufrichtung haben einen Einfluss darauf) und sich – die energieintensivere Hinterhand meidend – schneller fortbewegen kann.

Tragen wir als Mensch einen schweren Rucksack und wären durch die Herausforderungen des Weges schon leidlich erschöpft, dann können wir uns damit behelfen, dass wir mehr Gewicht „auf die Vorhand“, besser gesagt nach vorne verlagern, in dem wir uns nach vorne beugen. Auch hier wirkt die Balanceverschiebung nach vorne „Hinterhand entlastend“ und wir sind in der Lage energiesparender – auch über längere Strecken – weiterzugehen.

Also zunächst einmal ein sehr praktisches und überlebenswichtiges Prinzip, welches die Natur hier bereitgestellt hat.

Reagiert nun das Pferd, z.B. beim Fluchtreflex, dann wird es instinktiv bestrebt sein, noch mehr Gewicht auf die Vorhand zu verlagern um schneller laufen zu können. Gut für das Pferd, schlecht für den Reiter.

Gegen ihn stehen nun zwei Effekte. Zum einen das Gewicht nach vorne an sich und zum anderen die kinetische Energie, sprich die Bewegungsenergie oder schlicht „Schwung“, der daraus resultiert und wiederum die Gewichtswirkung verstärkt.

Für den Reiter bedeutet dies zunächst einmal einen gewissen Kontrollverlust. Will er nun korrigierend einwirken, dann bedarf dies in der Regel eines stärkeren Einsatzes der verfügbaren Mittel. Feines Reiten ade!

Um die instinktiven Kräfte kontrollieren und in harmonische Kräfte umwandeln zu können wäre es also zunächst einmal – bezogen auf die Vorhandlastigkeit – wichtig:
Die Vorhandlastigkeit zu reduzieren!

AUFRICHTUNG UND BEIZÄUMUNG sind hier der Weg. Dabei handelt es sich zwar um eine absolute Aufrichtung, d.h., sie wird durch die Hand des Reiters ausgelöst. Dies geschieht zunächst einmal im Stehen, dabei wird das Pferd quasi auf ein entsprechendes Bewegungsmuster konditioniert.

Der Reiter hält das Pferd dabei nicht stetig mit den Händen oben, sondern wenn das Pferd im Unterkiefer und Genick nachgegeben hat, senkt er etwas seine Hand, das Pferd sollte nun die aufgerichtete und beigezäumte Haltung ohne „Unterstützung“ des Reiters beibehalten.

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved

by www.trust-your-Horse.com

Muss man das Reiten neu erfinden?

Egal wo ich mich gerade befinde, immer ist ein Notizblock mein Begleiter. Inzwischen türmen sich schon mehrere von ihnen, vollgeschrieben, in meinem Arbeitszimmer und schreien förmlich danach, systematisiert zu werden.

Grammatik des Reitens - Ich schreibe

Nun denn, so fasste ich irgendwann den Entschluss, all das zusammengetragene Wissen und all die durch Beobachtung, Experimentieren, Erleben und vielem Nachdenken, gewonnenen Erkenntnisse so vieler Jahre, in einem Buch zusammen zu fassen.

Und genau an dieser Stelle, stellte sie sich, diese Frage:

Muss man das Reiten neu erfinden?

Auch die Meister der Vergangenheit haben in ähnlichen Art und Weise wie ich ihre Erfahrungen gesammelt und ihre Rückschlüsse gezogen. Aber selbst diese „alten Meister“ dürften nicht nur auf ihren eigenen Erfahrungen gebaut haben, denn wie schon Goethe sagte: „die (eigene) Erfahrung ist nur die Hälfte der Erfahrung“.

Sie haben immer auch das Wissen anderer vor oder neben sich miteinbezogen, so dass die Erkenntnisse einer steten Prüfung und auch Überarbeitung unterzogen wurden.

Da der Mensch nun schon ein paar tausend Jahre mit Pferden umgeht, könnte man also davon ausgehen, dass über die Reiterei schon alles gesagt sei. Wahrscheinlich wurde tatsächlich schon alles über das Reiten gesagt.
Doch das daraus die Essenz des Reitens entstanden wäre, das wage ich entschieden zu bezweifeln.

Jeder große Meister hatte seinen, mehr oder weniger großen Beitrag zur Erkenntnis, aber auch zu teilweise krassen Fehleinschätzungen geleistet. An einigen von diesen Fehleinschätzungen wird auch heute noch, mitunter dogmatisch, festgehalten.

Die Wissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten ebenfalls ihre Beiträge zu einem besseren Verständnis des Lebewesens Pferd, dessen Anatomie und Biomechanik geliefert. Doch hat all diese Erkenntnis die Reiterei weitergebracht? Ich persönlich kenne keine einzige Studie, die ein Heureka bei mir ausgelöst hätte.

Die Suche nach der Essenz

Ich maße mir nicht an, die Reiterei neu erfinden zu können, doch ich werde mich auf die Suche nach der Essenz des Reitens machen. Vielleicht gelingt es mir ja, mit diesem Buch, ein kleines bisschen zu ihrer Entdeckung beitragen zu können.

Und deshalb schreibe ich!

Richard Vizethum
www.trust-your-horse.com

Das natürliche Gleichgewicht

In der Physik versteht man unter einem Gleichgewicht die gleichmäßige Verteilung der Masse auf die vorhandenen Stützflächen. Beim Pferd wären diese Stützen die Beine.

Betrachtet man nun das Pferd, so kommt man relativ schnell zu dem Schluss, dass hier keinesfalls eine Gleichgewichtssituation im Sinne der Physik vorliegen kann. Selbst wenn die Hinterhand noch so mächtig aussieht, das Gewicht von Hals und Kopf kann sie keinesfalls kompensieren. Das Pferd trägt also auf den Beinen der Vorhand mehr Last, als auf denen der Hinterhand.

Die Grammatik des Reitens - Das natürliche Gleichgewicht

Hinzu kommt noch, dass auch beim Pferd eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Händigkeit vorhanden ist, welche durch seine „natürliche Biegung“ (meist fälschlicherweise – Ursache mit Wirkung vertauschend – als „natürliche Schiefe“ bezeichnet) ein weiterer, die Gewichtsverteilung zur Ungleichheit hin verschärfender Faktor hinzukommt.

Steht das Pferd geschlossen auf allen vier Beinen, dann spricht man, trotz oder besser wegen der genannten Einflussfaktoren, von einem „natürlichen Gleichgewicht“.

Wenn wir ein Pferd zu einem Reitpferd entwickeln wollen, werden wir auch das „natürliche Gleichgewicht“ verändern. In einem ersten Schritt, indem wir es „Geraderichten“. Denn nur ein geradegerichtetes Pferd ist in der Lage seriös den Rücken anzuheben und sich aufzurichten.

Dieses Geraderichten bewirkt zunächst ein, nennen wir es mal „künstliches Gleichgewicht“. Erst wenn die damit zusammenhängenden neuen Bewegungs- und Haltungsmuster im Unterbewusstsein des Pferdes verankert sind, wird aus diesem künstlichen Gleichgewicht wieder ein (neues) natürliches Gleichgewicht.

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved

by www.trust-your-Horse.com